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Veröffentlicht am 13 Jan 2013

Was ist ein Achrostichon?

Was ist ein Achrostichon?

Immer wieder laufen interessante und erwähnenswerte Veranstaltungen in der muslimischen community in Deutschland und über die Stadtgrenze hinaus erfährt kaum jemand davon. Als Journalistin von muslime.tv aus dem südlichen Raum besuche ich Veranstaltungen wie zum Beispiel einen ungewöhnlichen und lustigen Dichterkurs in München.

Wie oft liegt einem der Weltschmerz auf der Seele, wiegt so schwer und kann nicht aus dem Brustkorb entweichen, weil man nicht weiß wie das Ventil bedient wird.
Um jenes Ventil, also Stimme und Wort, gekonnt zu justieren, organisierten die zwei erfahrenen Poeten El-Mir und Nurtac gemeinsam mit dem Verein Dzemat Fedzr am 8.12. in München eine „Dichterwerkstatt“. Amila, aktives Mitglied des Vereins, organisierte die exzellente Bewirtung und die zwei Poeten führten uns professionell in die Tiefen der Dichterkunst ein. Da war es auch nicht weiter schlimm, dass wegen akuter Verspätung fast aller Teilnehmenden der Kurs erst drei Stunden später begann.

Schwerpunkte der „Dichterwerkstatt“ waren die Stimmbildung und die Ideenschöpfung. Für den Kurs waren keine Vorkenntnisse notwendig, man konnte dort also als blutiger Anfänger Grundlagen des „Dichterhandwerks“ erlernen.
Der Kurs begann mit einer wunderschönen Qur‘anrezitation des Teilnehmers Predrag. Danach stellten wir uns in der Runde vor und es wurden Fragen gestellt, woher man Ideen schöpfen kann etc.. Die beiden Dozenten, bühnenerprobte Slammer, ließen uns einen Kreis bilden, um die Atmosphäre erst mal aufzulockern. Wir spielten „Zoom, Kazoom, Shaban“.
Nachdem wir genug rumgealbert hatten, ging es an die Stimmbildung. Jeder einzelne machte Geräusche, die auf Befehl von Nurtac hin lauter oder leiser wurden. Nachdem wir uns aufgelockert hatten, wurde uns eine Videobotschaft von Fatima, der Gewinnerin von „Poet gesucht“ und „i,Slam Hamburg“ gezeigt. Ihr Vortrag selbst war schon eine Performance. Gedanken um und übers gekonnte Vortragen und Dichten wurden mit gekonnter Stimme über das Iphone des Dozenten übertragen, da der Projektor leider versagt hatte.
Runde drei war die Performance des immer ein und desselben Textes aus dem „Hello Kitty“ Heft der jüngsten Teilnehmerin, acht Jahre. Und so bekam jeder einen Befehl aus dem Publikum, den Text in einem bestimmten Stil vorzutragen, neben traurig, wütend oder verliebt, wurde der Text auch mal dominant, tuntig oder auf sächsisch verlesen. Alles in allem haben wir in Runde drei am meisten gelacht.
Die nächste Aufgabe war ein Achrostichon aus den Namen unserer Nachbarn zu bilden. Doch der Versuch, aus uns poetische Worte rauszukitzeln, war für die einen etwas schwieriger und für die anderen im ersten Versuch mäßig erfolgreich.
In Runde fünf wurde uns Anfang und Ende eines Textes vorgegeben, dazwischen war unsere Kreativität gefragt. Die Inhalte der Vorgabe „Als ich aus dem Haus ging… und deswegen liebe ich sie.“ waren jedes Mal total unterschiedlich.
Der Schritt darauf waren ein paar Sätze, welche sich beim ersten Versuch nicht reimen sollten, zu unserer frühesten Kindheitserinnerung zu schreiben.
Nachdem wir genug geschrieben hatten, wechselten wir zum Pantomimentheater. Dazu wurden uns 5 Schlagwörter gegeben, welche wir als einziges in diesem Theater aussprechen durften. Es kamen am Ende sehr kreative und unterschiedliche Theaterstücke heraus.
Nachdem wir uns durch das Pantomimentheater wieder aufgelockert hatten, sollten wir unseren Text „früheste Kindheitserinnerung“ in Reime umformulieren. Als es schon sehr spät wurde, bekamen wir nach dem Glücksrad Prinzip unser letztes Thema gestellt. Eine Textsorte sollte nach bestimmten Kriterien gestaltet werden, z.B. Bericht/ A-B-Schema/ Liebe.
Am Ende waren wir alle richtig geschafft, v.a. Nurtac, der sich liebevoll um die kleinste Teilnehmerin gekümmert hatte. Denn auch der Knirps hatte gedichtet: „A-B-C ich lieg am See; H-I-J ich hab keinen Bock“. So ging ein schöner und ein für alle lehrreicher Tag zu Ende.
Hoffentlich war es nicht der letzte Kurs dieser Art.

Frau Schmidt